Pano-HR-Schloss 182_Carschenna

Hoch- und Spätmittelalter

Eine Stadt "Hohen Rätien"?


Die aus der frühchristlichen Kirchen- und Tauftradition entstandene Grosspfarrei St. Johann mit der Kirche St. Johann als Zentrum kam im Laufe der Zeit in den Besitz von umfangreichen Gütern und Besitzungen in der Region. Dieses Verwaltungsgebiet Viztum (Bischöfliche Vogtei) unterstand dem auf Hohen Rätien residierenden Kirchenvogt.
Mit der Konzentration der kirchlichen und weltlichen Macht auf Hohen Rätien wären zusammen mit ihrer Kontrollfunktion am vielbegangenen Viamala-Route wichtige Voraussetzungen für die Entstehung einer Stadt "Hohen Rätien" gegeben gewesen. Intensive Bautätigkeiten in der Mitte des 13. Jahrhunderts (Neubau der Kirche sowie Aufstockung des Hoch Rialt) deuten eine Entwicklung in diese Richtung an.
Es mag das heftige Erdbeben von 1295 gewesen sein, welches diese Entwicklung im Kern erstickte. Der Hoch Rialt-Turm, vermutlich der Sitz des Viztums hat bei diesem Ereignis möglicherweise dermassen Schaden genommen, dass er unbewohnbar wurde. Jedenfalls taucht die bischöfliche Verwaltung bereits zu Beginn des 14. Jh. in der bischöflichen Grossburg Fürstenau auf, welche in der Folge 1354 das Stadtrecht erhielt.

1359 wurde die Kirche St. Johann und Viktor durch den Bischof von Chur (Peter I. Gelyto 1356-1368) an das Kloster Cazis verkauft, in Tausch gegen Besitztümer im Unterengadin.

 



Münze Heinrichts IV.



Silberner Denar aus salischer Zeit, vermutlich des Heinrich lV (11. November 1050 bis 7. August 1106)


Viamalabrief 1473


Mit dem Viamalabrief (1473) beschlossen die Gemeinden Thusis, Masein und Cazis, "(...) die richstrass und den waeg entzwüschend Tusis und Schams, so man nempt Fyamala zuo howen, uffzuorichten und ze machen (...)". Dadurch verlegte sich der Hauptverkehrsstrom auf die andere Talseite und die sogenannten Saumporten (Transportgenossenschaften) erhielten in der Folge ein Transportmonopol durch die Viamala-Schlucht. Thusis wurde zunehmend zum regionalen Zentrum. Durch diese Entwicklung verloren sowohl die junge Stadt Fürstenau, wie auch Hohen Rätien an Bedeutung, da beide fortan vom Verkehr umgangen wurden.
(Vollständige Abschrift des Viamala-Briefes, pdf)

 

Fund von Ofenkacheln


Im Schuttmaterial, welches bei den archäologischen Grabungen (1999-2005) aus dem Gebäude im Osten des Grabungskomplexes (Phase gelb) entfernt wurde, kamen zahlreiche Fragmente von Ofenkacheln zum Vorschein. Eine der Kacheln liess sich sogar in ihrer ganzen Länge (10.5 cm) rekonstruieren. Die Kacheln stammen wahrscheinlich aus dem 12. Jh.
In welchem Gebäude der Burganlage sie einst verwendet wurden ist zur Zeit unklar. In Frage kommt dafür ein Annexbau einer der Vorgängerkirchen, der heute nicht mehr genauer auszumachen ist.